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Was Städte attraktiv macht - Tyler Brulés Liste

Am Wochende hörte ich Tyler Brulé zu, als er darüber sprach, was Städte attraktiv macht. Tyler Brulé hatte in den neunziger Jahren Wallpaper gegründet, damals eine global style bible und ist dann 2007 mit Monocle in den Markt gegangen, "a briefing on global affairs, business, culture & design" wie es im Untertitel heißt. Monocle ist ein Magazin für global people, hat einen ganz eigenen, fast crafted Ansatz, in den Bildern, dem Manga, den Themen. Globalität, aber lokal und wenig Coverage der großen Newslines. Tyler Brulé reist selbst mehr als 250 Tage im Jahr. Auch deshalb hat er kürzlich eine Partnerschaft mit Dopplr eingegangen, der traveller's community von Marko Ahtisaari. Beide sind DLD-Speaker.

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Aber zurück zu den Städten, das Thema interessiert mich. Städte waren immer Orte der Veränderung, schon im Mittelalter, die cittá ideale in der Renaissance, die großen Handelsstädte wie Venedig, die imperialen Städte wie Rom. Für Richard Florida entscheidet die creative class, in welchen Städten sie leben will, die damit Zukunft haben. TED-Gründer Richard Saul Wurman sieht in Städten eine neue Sicht auf die Welt und arbeitet am Projekt 19-20-21. In Dubai, Moskau und Peking verwirklichen Architekten ganz neue Stadtvisionen.

Tyler Brulé selbst veröffentlicht in Monocle nun im zweiten Jahr die Liste der most liveable cities in the world. Kopenhagen führt die Rangliste vor München, im Vorjahr noch Platz 1. In seinem Vortrag, den er im Hinblick auf die Olympischen Spiele in London 2012 hielt, nannte er neben den bekannten soft factors wie Toleranz und Kultur vor allem auch hard facts, was er zusammen als everyday wonder bezeichnete:
 
-          ein funktionierendes Transportsystem (Flughafen München, Radwege Kopenhagen, U-Bahnen Tokyo, gute Gehwege und Strassen)
 
-          Recognition: wenn Menschen erkannt werden von ihrem Kioskbesitzer, Bäcker, Metzger etc. dann gibt Ihnen das soziale Anerkennung. Er zitierte Studien, die zeigen, dass Menschen dann glücklicher und produktiver sind.
 
-          Lokale Produktion: Ein Stadt sollte kleine, fassbare Strukturen erhalten. Dazu gehört auch Produktionen. Brulé zitierte einen Krawattenherstellen in London und dass die New Yorker-Fashion Labels ihre Produktion aus China zurückholen, weil sie nicht mehr ihren Creativ-Direktor ständig nach Shenzen fliegen lassen wollen.
 
-          Housing: Die Qualität von Häusern auch für die Mittelschicht. Er nannte die Qualität deutscher Türen im Vergleich zu England und USA, den Wasserdruck.
 
-          24-City: Eine Stadt muss auch nachts funktionieren, er nannte Toyko als Beispiel, wo die Bauarbeiten nur Nachts erfolgen um Staus am Tag zu vermeiden, Läden offen sind. Er nannte eine skandinavische Food-Kette Emories, die morgens Cafe-Bar, mittags Lunchplace und abend Bar ist und sich über den Tag anpasst und deshalb nicht nur 4 Stunden viele Kunden hat wie Starbucks am morgen.
 
-          Public Parks and Water. In München können die Menschen in den Englischen Garten gehen sogar baden, es gibt Café, Biergärten Bars. Das schafft ein Lebensstadtgefühl als Balance zur sozialen Schichtung. In London läuft alles nur über Private Clubs.
 
-          Gastgeber sein: Städte sollten wie in der Schweiz minimale Standards definieren für Hotelklassen (3 Sterne …). Nicht wie in London. Er plädierte, Schools of service administration zu gründen. Das ist ein Wachstumsmarkt.

Bitte teilt mir mit, was für Euch eine attraktive Stadt ausmacht. 

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Stadtatmosphären üben auf mich einen ganz besonderen Reiz aus. Es fasziniert mich, wie schnell man die Atmosphäre einer Stadt wahrnehmen kann. Dann aber zu bestimmen, woran diese Atmosphäre sich festmacht, ist eine deutlich schwierigere Aufgabe. Ich war z.B. neulich das erste mal in Freiburg (http://tautoko.info/2008/09/21/freiburg-ftw/) und war innerhalb weniger Stunden sehr begeistert von der Stadt.

Und das habe ich an folgenden Punkten fest gemacht:
- Freiburg ist ungemein grün. Mitten in der Stadt erhebt sich ein Berg, den man besteigen kann und von dem man aus die Stadt überblicken kann. Die ganze Stadt atmet Erholung.
- In der wunderschönen Altstadt findet man überall kleine Handwerks- und Spezialität-Läden. Das drückt Wertschätzung für Handwerkskunst und Qualität aus und gleichzeitig Bewusstsein für Zeit und menschlichen Kontakt.
- Das gleiche gilt für die Restaurants und Kaffeehäuser. Genuss scheint in Freiburg eine große Rolle zu spielen.

München hatte ja letztes Jahr die Stadt-Liste von Monocle angeführt, weil Brûlé und seine Redakteure von der Gemütlichkeit so beeindruckt waren. Sie legen aus meiner Sicht hier eine andere Gewichtung an als man sie von einem Magazin erwarten würde, das sich immer wieder Vorwürfe, es sei zu elitär und luxusorientiert, anhören muss.
Gerade in letzter Zeit hat Brûlé den Fokus mehr und mehr auf die handwerkliche Qualität bei Produkten und kleine, unabhängige Shops gelegt. So z.B. auch bei der neuen Serie, in der besondere Straßenzüge in großen Städten vorgestellt und bei der nicht große Shopping-Passagen sondern kleine Nachbarschaften mit individuellen und einzigartigen Läden promotet werden.

Das sind genau die Punkte, die dafür sorgen, dass sich die 'Kreative Klasse' von Richard Florida in einer Stadt wohlfühlt und dann wiederum extensiv zur Atmosphäre einer Stadt beiträgt.

Viele Städte wissen nicht um die Möglichkeit durch Merchandising und Licensing noch attraktiver in der Vermarktung bzu machen. Aber ein interessanter Artikel - Thanx!

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